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Value unter Druck | Mandantenbrief 11/19

Value oder Growth – welche Strategie performt besser? Das ist ein alter Streit zwischen Aktien-Investoren. Schaut man auf die letzte Dekade, hatten Growth-Investoren die Nase vorn. In Zeiten allgemein steigender Aktienkurse tun sich Value-Investoren schwerer. Das ist aber noch kein Beweis für die Über- bzw. Unterlegenheit einer Strategie.

Wer den Growth-Ansatz verfolgt, setzt vor allem auf wachstumsstarke Werte. Die Erwartung ist, dass hinter solchen Aktien stehende Unternehmen sich besonders dynamisch entwickeln, weil sie innovative Geschäftsmodelle verfolgen und Zukunftsbranchen angehören. Das soll sich entsprechend in Kursen niederschlagen. Value-Investoren setzen dagegen auf aktuell eher niedrig bewertete Aktien, deren Unternehmen in Umstrukturierungen und strategischen Neuausrichtungen stecken. Hier beruht die Hoffnung auf Wertaufholung im Zeitablauf.

Es kommt auf den Zeitraum an

Betrachtet man die nüchternen Zahlen, ergibt sich ein interessantes Bild. Als Referenzmarkt dient der US-Aktienmarkt, der nicht nur der größte weltweit ist. Hier existieren auch die längsten Zeitreihen, um fundierte Vergleiche durchzuführen. Mit dem Fama/French US Value Research Index und dem Fama/French US Growth Research Index stehen zwei geeignete Messinstrumente zur Verfügung.

Im Zeitraum 2009 bis 2019 zeigt sich der Growth-Ansatz im Vergleich eindeutig als überlegen. Growth-Aktien erzielten in diesem Zeitraum eine durchschnittliche jährliche Rendite von 16,3 Prozent, Value-Titel brachten es „nur“ auf 12,9 Prozent. Anders ausgedrückt: wer vor 10 Jahren 100.000 Dollar in US-Growth-Aktien investiert hätte, besäße heute bei kontinuierlichem Reinvestment ein Vermögen von 452.686 Dollar, bei US-Value-Aktien wären es dagegen 336.464 Dollar – die Entscheidung, was vorzuziehen ist, fällt nicht schwer.

Anders sieht es in einer sehr langfristigen Sicht aus. Bezogen auf den Zeitraum 1926 bis 2019 verzeichnen Growth-Aktien eine durchschnittliche jährliche Performance von 9,7 Prozent, Value-Titel dagegen von 12,7 Prozent – schneiden also besser ab. Bemerkenswert ist die relative Ertragsstabilität der Value-Aktien im Zeitablauf, während bei Growth-Aktien stärkere und schwächere Phasen festzustellen sind.

Langer Atem gefragt

Einmal mehr bestätigen die Zahlen die Erkenntnis, dass Value-Investoren den langen Atem brauchen. Die Strategie zahlt sich aus – aber manchmal braucht es mehr als zehn Jahre. Growth-Investoren müssen dagegen eher darauf achten, den richtigen Zeitpunkt und günstige Phasen zu „erwischen“ – dann können sie auch überproportional erfolgreich sein.

Fazit

Wir glauben weiterhin an die langfristige Überlegenheit der Value-Aktien und unserem global diversifizierten Investitionsstil. Nicht, dass wir Growth-Titel vernachlässigen wollen, wir gewichten sie in unserem sehr weit diversifizierten Anlagespektrum nur etwas geringer. Auf lange Sicht ergibt sich so mehr Stabilität und Verlässlichkeit in der Anlagestrategie. Was sind schon 10 Jahre, wir denken langfristiger. Außerdem vermeiden wir es einem Trends hinterher zu laufen, sondern verhalten uns lieber antizyklisch ohne die eine oder andere Strategie dabei auszuschließen. Die Value Zeit wird wieder kommen.

Ihre,

Familie Frommholz

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