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Aktien ETF – ein Geldwert?

Der ETF oder auch Exchange Traded Funds wird von Verbraucherschützern als das Allheilmittel der Finanz- und Anlegerwelt gefeiert. Ein ETF ist ein Investmentfonds, der den selben Verlauf wie sein zugrundeliegender Index haben soll. Ein solcher Index kann z.B. der DAX sein. So hat ein Anleger die Möglichkeit, den gemeinsamen Verlauf der 30 größten deutschen Aktien-Werte in seinem Depot abzubilden. Der Vorteil: Sehr geringe Kosten, transparent und kein Managerrisiko.

Die Nachteile – synthetische ETFs

Es gibt unterschiedliche Varianten, wie die Produktgeber von ETFs (dbX, iShares, UBS usw.) die Kosten des Fonds senken und dabei ihre eigene Marge und die Konkurrenzfähigkeit am Markt zu optimieren versuchen. Die Möglichkeit des Swap und der damit hergestellten künstlichen Performance in Form des synthetischen ETF hat einen bedeutenden Markanteil. Es werden beim DAX beispielsweise nicht VW, Bayer, etc. in der selben Zusammensetzung wie im Index gekauft, sondern andere, kleinere Aktien z.B. aus Japan, die eine hohe Korrelation aufweisen. Der Verlauf wird durch Versprechen und Absicherungen von anderen Banken und Fonds hergestellt (Kontrahenten). Ein komplexes Gebilde, das nach Meinung selbsternannter Experten aber „sicher“ sein soll.

Die Nachteile – physische ETFs mit Sampling

Aber auch die vermeidlich „ehrlichen“ ETFs, nämlich die physisch replizierten, also mit den tatsächlichen Indexwerten hinterlegten Fonds, benutzen sehr häufig ein Verfahren, das sich optimiertes Sampling nennt. Hierbei werden aus Kostengründen nur ganz wenige Titel eines Index gekauft, um den Verlauf annähernd herzustellen. Daraus und aus den vorrangegangenen Argumenten resultieren mehrere Schwachstellen:

  • Die beste Möglichkeit, die Relation zwischen Risiko und Rendite zu optimieren, ist möglichst breit zu streuen. Diese Streuung wird durch die oben beschriebenen Tricks in jedem Fall verschlechtert.
  • Es bestehen erhebliche Risiken, wenn einzelne Kontrahenten in extremen Krisenfällen ausfallen und auch die gestellten „Sicherheiten“ wertlos sind. Mit einem ETF hat der Anleger eigentlich einen Sachwert erworben (also ein Stück an einem Unternehmen, beispielsweise eines DAX-Wertes). Mit einem Mal hat der Anleger aber einfach nur noch das Versprechen eines Institutes in den Händen, den Verlauf der Aktienschar in sein Depot hinein zu bekommen. Das ist dann aber nur noch eine Forderungen, also faktisch ein Geldwert? Für ein mögliches Untergangsszenario hat der Anleger aber bewusst einen Sachwert erworben und möchte keine auf Euro oder Dollar lautende Versprechung, sondern ein Stück Unternehmen.
  • Der entscheidende Aspekt ist aber folgender: Wenn Anleger einem Index Geld zur Verfügung stellen, in der Hoffnung, dass er steigt, aber durch das optimierte Sampling nicht alle enthaltenen Unternehmen mit mehr Kapital ausstattet, sondern nur einige, wieso sollten mir die nicht bedachten Unternehmen eine Prämie zahlen. Diese Unternehmen haben ja nichts von der Geldbereitstellung.

Neben struktureller Probleme, z.B. bei der Veränderung des Index, muss auch die Zweifelhaftigkeit der zugrundeliegenden Struktur – warum sind im DAX z.B. 30 Werte und nicht 10 oder 300? Warum sind im MSCI World nur 1400 und nicht viel mehr Aktien – angesprochen werden.

Haben wir die Grundsätze des Wirtschaftens vergessen?

Ein Unternehmen entwickelt ein Produkt. Dafür benötigt es finanzielle Mittel, die unterschiedlich beschafft werden können. Eine Möglichkeit ist: Das Unternehmen sucht zusätzliches Eigenkapital, also quasi Mitgesellschafter, deren Einlagen im Fall des Konkurs aber auch zuerst aufgebraucht werden. Dieses Eigenkapital ist aus den Augen eines Anlegers beispielsweise eine Aktie.

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Für das Verlustrisiko seiner Einlage möchte der Anleger aber natürlich eine Prämie, sonst behält er sein Geld lieber auf einem Tagesgeldkonto. Insofern erhält der Aktienhalter für das Risiko der Investition eine Belohnung, eine Rendite, eine Prämie von der Aktiengesellschaft. Alternativ könnte die AG auch zur Bank gehen und einen Kredit aufnehmen oder auch am Markt eine Anleihe ausgeben, um dann Fremdkapital einzuwerben. Da Eigenkapital im Konkursfall zuerst für die Begleichung von Forderungen verwendet wird ist dieses Fremdkapital sicherer. Logischerweise können derartige Papiere somit auch nur eine geringere Renditeerwartung haben.

Ideologisch haben die ganzen ETF Konstruktionen hier ein signifikantes Problem:

  • Bei synthetischen ETFs gebe ich, um den DAX nachzubilden, einigen beispielsweise Japanischen Nebenwerten (mit hoher Korrelation zum DAX) mein Kapital, damit die 30 größten deutschen Werte Produkte und Dienstleistungen entwickeln, um für mich eine Rendite zu erzielen. Allerdings habe ich diesen nie die Möglichkeit der Finanzierung durch meine Investition geschaffen. Ich erwarte also eine Gegenleistung für nichts. Klingt total unsinnig und ist es auch. Das wäre als würde man beim Crowdfunding der Idee mit dem magnetischen, an der Wand heftenden Trinkbecher sein Kapital zur Verfügung stellen, aber von der Idee eines Künstlers, der dort sein Studioalbum finanziert, die Zinsen haben möchte.
  • Beim optimierten Sampling der physischen ETFs (wenigstens werden die Werte innerhalb des Index zur Nachbildung verwendet) investiere ich beispielsweise in 10 Unternehmen des DAX, um den Verlauf nachzustellen, erwarte aber dennoch von allen 30 Unternehmen eine Prämie für meine Investition zurück.

Aber natürlich gibt es auch – allerdings wenige – ETF-Varianten die sehr breit diversifizieren. Die gilt es zu finden. Die synthetischen ETFs betrachten wir im Ernstfall eher als Geld- denn als Sachwert. Ergibt sich doch im Fall eines Crash einfach nur eine Forderung aus dieser Konstruktion und kein verbleibender Anteilsanspruch.

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