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Das freundliche Inflationsgespenst – Mandantenbrief 05/2021

Das Inflationsgespenst ist zurück und mit ihm die Sorge um die Folgen dieser Entwicklung für die Aktienmärkte. In den letzten Wochen dominierte es an den Finanzmärkten. Mit dem Jahreswechsel ergab sich ein sprunghafter Anstieg der Verbraucherpreise in der Eurozone von -0,3% per Dezember 2020 auf +0,9% per Januar/Februar 2021. Was bedeutet das?

 

Massive Maßnahmen

Positiv ist anzumerken, dass damit das Kalkül der EZB und der weiteren westlichen Zentralbanken aufgegangen ist, den deflationären Druck, der sich aus der Krise ergab, durch massive Maßnah-men in der Zins- und Geldpolitik in der Wirkung zunächst zu nivellieren und am Ende umzukehren.  Die Finanzmärkte befürchteten hinsichtlich der veränderten Situation, dass die westlichen Zentral-banken in zeitlicher Nähe in ihrer Geld- und Zinspolitik umsteuern würden. Entsprechend agierten die Marktteilnehmer an den Kapitalmärkten mit einer Neubewertung bei langfristigen Staatsanleihen. In der Folge legte die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe von -0,50 auf bis zu -0,20% zu, wäh-rend es in den USA zu einem markanten Anstieg von 0,50 auf bis zu 1,70% für 10-jährige US-Staatspapiere kam. 

Ruhige Hand

Im Rahmen dieser Neubewertung am Kapitalmarkt waren alle westlichen Zentralbanken bemüht, den internationalen Finanzmärkten zu signalisieren, dass kein abrupter Strategiewechsel in der Zins- und Geldpolitik anstünde. Der Anstieg der Preisniveaus über das Jahresende kam nämlich für die Zentralbanken und professionelle Analysten nicht überraschend.  Westliche Zentralbanken haben hinsichtlich der Bewertung der Inflation immer wieder darauf ver-wiesen, dass man sich nicht an aktuellen Inflationsspitzen, sondern an langfristigen Durchschnitten der Preisentwicklung orientieren wird. Insofern ergibt sich eine Politik der ruhigen Hand bei den westlichen Zentralbanken bis weit in das Jahr 2022 oder sogar darüber hinaus. 

Weltwirtschaft erholt sich

Fakt ist, dass sich die Weltwirtschaft trotz anhaltender Corona-Pandemie erholt. Das gilt vor allen Dingen für den industriellen Sektor. Aber auch der Dienstleistungssektor gewinnt global deutlich an Fahrt. Selbst in der Eurozone erreichten uns positive Überraschungswerte, beispielsweise bei dem Markit Einkaufsmanagerindex, aber auch bei dem Verbrauchervertrauen der Eurozone. Die Corona-Problematik sollte im Jahresverlauf abnehmen und entsprechend Wachstumskräfte freisetzen.  Die geplanten Wirtschaftsprogramme, die global aufgesetzt sind oder noch aufgesetzt werden (al-leine das US-Infrastrukturprogramm mit einem fast unvorstellbarem Volumen von circa 3 Billionen USD) werden das Wachstum für die nächsten drei bis vier Jahre forcieren. Damit dürfte das globale Wachstum in den kommenden Jahren überproportional ausfallen. Entsprechend fallen auch die BIP-Prognosen des IWF für die Jahre 2021/2022 mit 5,5%/4,2% überdurchschnittlich aus. Eine derarti-ge konjunkturelle Entwicklung wird von zunehmenden Inflationsdruck geprägt sein. Bereits jetzt sieht man Engpässe bei Halbleitern und im Stahlsektor, die Preisüberwälzungsspielräume eröffnen. 

Inflation relativiert Verschuldung

Eine Inflation entwertet das reale Gesamtvolumen der Schulden. Auch wenn Zinsen steigen, unter-läge nur die Neuverschuldung und die zu ersetzende Altverschuldung erhöhter Zinsbelastungen. Liegt der Durchschnittszins, der auf die Staatsschuld zu zahlen ist, unterhalb der Preisinflation, ergibt sich eine reale Entschuldung. Hinsichtlich der Verschuldungsdynamik liefern die USA das kritischste Bild: US-Notenbankchef Powell rechnet mit einem Wirtschaftswachstum in Höhe von 6,5% per 2021. Die Prognose wird in der Grundtendenz quantitativ richtig sein, weil die US-Politik wie kein anderes Land Helikoptergeld in historisch einmaligem Maße verteilt und zusätzlich weitere Programme auf der Agenda hat.  Wegen dieser massiven US-Verschuldungsdynamik ist die Fortsetzung der alimentierenden Fed-Politik und die Verankerung eines Niedrigzinsregimes für die USA von elementarer Bedeutung. Folglich argumentiert die Fed: Die Konjunkturerholung sei bei weitem noch nicht abgeschlossen. Die Fed würde die Wirtschaft so lange stützen, wie es nötig sei. Die Fed rechne mit einem Anziehen der Inflation, doch sei das voraussichtlich nur ein vorübergehender Effekt. 

EZB folgt der Fed

Das ist das Konzept, dem auch die EZB folgen wird. Würde die EZB sich von dieser US-Repression unabhängig machen, käme es zu einer markanten Aufwertung des Euros. Damit würden deflationä-re Impulse gesetzt und die Konkurrenzfähigkeit der Eurozone würde an internationalen Märkten beschädigt. Das will man weder im EZB-Rat noch in süd- oder nordeuropäischen Gefilden.  Vermutlich wird die globale Wirtschaft in den nächsten Monaten erfreulich laufen. Die Niedrigzinsen werden mit größtenteils negativen Realzinsen uns noch lange begleiten. Ein derartiges Szenario kann Aktienmärkte kurzfristig verschrecken und in Korrekturen zwingen. Es erscheint jedoch un-wahrscheinlich, eine Trendumkehr einzuleiten. Sowohl das (BIP-)Wachstum als auch die Inflation liefern viele positive Effekte bezüglich Umsatz und Gewinn für die Unternehmen. Daher spricht vie-les dafür, dass die Börsen weiter steigen werden. 

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