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Trump spekuliert mit Worten

Es vergeht kaum eine Woche, in der US-Präsident Donald Trump nicht mit Sprüchen und „alternativen Fakten“ von sich reden macht. Oft haben seine Äußerungen etwas Groteskes, Großmäuliges und Widersprüchliches an sich. Was eben noch in Grund und Boden verdammt wurde, kann schon am nächsten Tag „great“ sein – und umgekehrt. Vieles ist offenkundig falsch oder gelogen.

Als Mitteleuropäer ist es zudem unerträglich, wie er mit Frauen und Mitarbeitern umgeht. Wir versuchen, mit diesem Mandantenbrief gemäß unserer Funktion einen Schritt zurückzutreten, um Ihnen, möglichst emotionsfrei, die Trump-Auswirkungen auf Ihr Vermögen deutlich zu machen. Im Folgenden sprechen wir also nicht als entsetzte Individuen, sondern als Ihr wirtschaftlicher Lebensbegleiter.

Sechs bis sieben Lügen am Tag

Die Washington Post – eine der renommiertesten Tageszeitungen der USA – hat über Trumps Aussagen Buch geführt. Danach soll der Präsident im Schnitt täglich sechs bis sieben falsche oder irreführende Statements von sich geben. Das ist nicht neu. Schon im Wahlkampf sorgte er mit unbewiesenen Behauptungen und offenkundigen Unwahrheiten für Schlagzeilen. Seinen Wahlsieg hat das nicht behindert – im Gegenteil. Und auch nach fast zwei Jahren Amtszeit mit kaum verändertem Sprachstil kamen Trump und seine Partei bei den „Midterm Elections“ recht ungeschoren davon. Erneut ein Indiz für die Prognoseschwäche von sogenannten Experten, die auch im Falle des Trump Sieges in 2016 durch die Bank weg einen sofortigen Börsencrash vorhersagten. Die Realität zeigt einen Anstieg vom 8.11.2016 bis 28.11.2018 des Dow Jones Index von beachtlichen 35%.

Teil der Marke „Trump“

Es kann also keine Rede davon sein, dass sein „Publikum“ ihm seine sprachlichen Exzesse verübelt. Fast muss man den Eindruck gewinnen, sie werden von seinen Anhängern als Teil der Persönlichkeit des Präsidenten gesehen und akzeptiert. Sie gehören einfach zur Marke „Trump“. Und ähnlich wie in der Werbung, die auch gerne mit großartigen und -spurigen Aussagen daherkommt, macht der gewöhnliche Trump-Konsument seine Abstriche bei den Sprüchen des Präsidenten. Es wird nicht für bare Münze genommen, was gesagt wird.

Zu viel Aufregung um Worte

Beobachtern der US-Politik hierzulande sind die Trump’schen Ausreißer unerträglich. Manchmal scheint man sich so sehr auf die Ausfälle zu konzentrieren, dass die faktische Politik des US-Präsidenten aus dem Blick zu geraten droht. Die kann – trotz aller Irritationen und erratischen Schwankungen – durchaus „goodnews“ vorweisen. Die Wirtschaft in den USA boomt und das letzte Wort über Erfolg oder Misserfolg im internationalen Handelsstreit oder bei außenpolitischen Aktivitäten (Stichworte Iran, Nordkorea) ist noch nicht gesprochen.

Richtig, wahr oder echt?

Trump hat sich selbst einmal dazu bekannt, dass seine Aussagen nicht eins zu eins zu verstehen sind. In dem 1987 unter seinem Namen erschienen Buch „The Art of the Deal“ wurde der sehr an „alternative Fakten“ erinnernde Begriff „truthful hyperbole“ – „wahrhaftige Übertreibung“ – geprägt, worunter laut Autor eine „unschuldige Form der Übertreibung – und … wirksame Form des Marketings“ zu verstehen sei. Dabei kommt es letztlich weniger darauf an, ob eine Aussage „richtig“ oder „wahr“ ist, sondern ob sie „echt“ ist, das heißt, ob sie zu dem der die Aussage trifft passt. Es geht um Authentizität. Die kann man Trump kaum absprechen. Verstellung ist seine Sache nicht, der US-Präsident gibt sich stets so wie er ist.

Es geht immer um einen guten Deal

Dabei geht es ihm vor allem darum, „gute Deals“ zu machen – etwas anderes hat er nie behauptet. Ein guter Deal kann auch mehr Aufmerksamkeit, Zustimmung oder Anerkennung bedeuten. Trump will dabei den schnellen, kurzfristigen Erfolg und die Sprache ist das Instrument, das dafür gezielt eingesetzt wird. Wahre Aussagen sind bei einem solchen Ansatz eher sekundär. Fast könnte man sagen: Trump spekuliert mit Worten.

Fazit

Es wäre jedenfalls ein großer Irrtum zu unterstellen, die Trump’schen Aussagen seien Ausdruck eines wirren und unberechenbaren Geistes. Auch die Börsen haben erkannt, dass sie bewusste Strategie sind und honorieren die Echtheit mit Kurssprüngen. Denn Trump weiß, dass sein Erfolg darauf beruht, dass seine Unterstützer ihn ernst, aber nicht wörtlich nehmen. Seine Gegner machen oft genau das Gegenteil. Letztlich gilt es also, die persönlichen Eigenschaften des amerikanischen Präsidenten weiterhin sehr kritisch zu beäugen, aber gleichermaßen auch mit Ruhe und Besonnenheit in die Zukunft zu blicken. Nicht ausgeschlossen, dass wir noch 6 Jahre mit seinen Ecken und Kanten leben müssen.

Eine Empfehlung bleibt übrig: Gelassenheit.

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