Noch vor wenigen Wochen stand für die Presse die Pleite von Prokon fest, die Meldungen waren mit Begriffen wie Anlegerbetrug und Schneeballsystem angereichert.

Doch die vorläufige Insolvenzverwaltung lässt Zweifel an der tatsächlichen Zahlungsunfähigkeit des Windkraftspezialisten aufkommen.

Kann Prokon die Insolvenz noch verhindern?

Der einstweilig bestellte Insolvenzverwalter hat die schwierige Aufgabe, Klarheit über die derzeitige Finanzlage des Windkraftunternehmens zu schaffen.

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Soweit er bis jetzt herausgefunden hat, ist Prokon seit Beginn der Geschäftsaufnahme ein scheinbar vorbildliches Unternehmen, welches anscheinend weder Gläubigern noch Lieferanten und Mitarbeitern Geld schuldig geblieben ist.

Auch die etwa 75.000 Anleger mussten in der Vergangenheit bisher nicht auf fällige Ausschüttungen warten, sie wurden mit erstaunlichen Renditen von acht Prozent bedient.

Als Verursacher der aktuellen Problematik kann u.a. auch die Berichterstattungen der Medien ausgemacht werden. Teilweise wurde durch ihre Vorverurteilungen fast eine Form von Panik unter den Anlegern verursacht. Auch als Folge der Verunsicherung kündigten einige Tausend ihre Investitionen und wollten ihr Geld schnell zurückhaben. Der Windkraftexperte hatte über die Jahre 1.4 Milliarden Euro einwerben können und sollte plötzlich 200 Millionen davon zeitnah zurückgeben. Das konnte nicht funktionieren, sind doch langfristige Finanzierungen mit kurzfristig kündbaren Geldbereitstellungen verknüpft worden.

Medien als Ursache für die angebliche Insolvenz?

Wie es um die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens wirklich bestellt ist, sollen drei renommierte Rechtsprofessoren in den kommenden drei Monaten herausfinden, den Anlegern wird weiterhin Geduld abverlangt. Die Geschäftsführung sieht in der erforderlichen Zeit allerdings kein Problem. Die Windräder generieren täglich neue Einnahmen und lassen anscheinend weder Geschäftsstillstand noch Ausfälle befürchten.

Dennoch bleibt der Fall Prokon merkwürdig. Als einer der Pionier der Energiewende wird Prokon nun als vorwiegend betrügerisches Unternehmen dargestellt. Scheinbar war der einzige, aber auch fatale, Fehler von Prokon, kurzfristig kündbare Anlegergelder in langfristig laufende Energie-Projekte zu investieren. Dadurch wurde der Windkraftspezialist nicht nur für seine Widersacher angreifbar. Prokon hatte (selbstverschuldet?) noch nie ein besonders freundliches Verhältnis zur Presse, welche letztendlich auch einen Teil der Verantwortung für die aktuelle Situation auf ihre Kappe nehmen muss.

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